Mit einem offenen Bürger-Theaterprojekt hinterfragten wir, wie es um die Zukunft der Stadt Wittenberg aus Sicht der BürgerInnen bestellt ist.

Die Beschäftigung mit dem Thema Zukunft ausgehend von persönlichen Wahrnehmungen der Teilnehmer und bezogen auf die Stadt und Region Wittenberg sollte zunächst die Identifikation mit Wittenberg stärken und Motivation geben, sich an zukunftsorientierten Prozessen in der Stadt zu beteiligen und damit die eigene Zukunft in der Region zu stärken.

Ausgangspunkt war die konkrete Lebenssituation der BürgerInnen aus unterschiedlichen sozialen Schichten und Altersgruppen.

Wie sieht der Alltag in Sachsen-Anhalt aus, mit welchen Problemen haben die Menschen aus der Region konkret zu kämpfen, wovon träumen sie, welche Aktionen stellen sie auf die Beine?

Klischees über Kleinstadt und Ostdeutschland werden dabei unterlaufen und es soll aufgezeigt werden, was Wittenberg jenseits der historischen Kulisse ausmacht.

Mit dieser These haben wir einen mehrwöchigen Bürgerdialog begonnen, dessen zusammengefasste Ergebnisse wir mit Unterstützung der Stadt Wittenberg als theatralen Bürgersalon in den Räumen der Kulturbotschaft am 26. April 2014 präsentiert haben.

 Interviews mit interessierten Bürgern

 

 Während des Projektzeitraumes haben wir den Internetblog http://zukunftwb.tumblr.com/ betrieben, in dem wir über unsere Arbeit und andere Aktivitäten des Projektes berichtet haben und die Facebook Seite der Kulturbotschaft mit Neuigkeiten versorgt, uns mit fachlich ausgebildeten Experten der staatlichen Statistikbehörde des Landes Sachsen-Anhalt in Halle getroffen und uns über deren wissenschaftlich fundierten Analysen informiert.Wir haben im April vier Filmabende veranstaltet und damit Begegnungen realisiert.

Aus dieser Fülle von "Expertenmeinungen" über die Zukunft der Region Wittenberg haben wir den theatralen Salon „Zukunft aus Wittenberg“ entwickelt.

 Dabei hatten wir Unterstützung von Bürgern aus der Stadt und Region Wittenberg, von den Vereinen Talenteschmiede e.V., der Hip-Hop Gruppe des TSV schwarz-gelb, von der Schülerband „Trail to Happiness“ des Luther-Melanchthon-Gymnasiums, vom Magedeburger Verein Kulturanker E.V., von der Stadtkirchen-Gemeinde und vom MdB Dr. Karamba Diaby.

Im Ergebnis konnten wir ein großes Interesse der Wittenberger Bürgerinnen und Bürger sowohl an der Zukunft ihrer Region im Allgemeinen als auch an der speziellen Problematik der demografischen Entwicklung feststellen. Viele waren unserem Anliegen gegenüber sehr aufgeschlossen und haben uns in unserem Ladenlokal in der Jüdensstraße besucht und Auskunft über ihr Leben und ihre Prognosen für die Region und ihr persönliches Leben gegeben.

Weiterhin wurden Vereine und Vereinigungen gezielt angesprochen und zur Teilnahme bewegt und in der KulturBotschaft ein ständiges Büro als Kommunikationsort eingerichtet.

Moderiert und begleitet wurde das Projekt von Matthias Wulst, freier Bühnenbildner, Autor und Regisseur.

Zitate aus dem Salon Zukunft:

Ich denke der Weg zur Willkommenskultur ist noch sehr lang, es wird überall darüber gesprochen, ob das in der Polik ist, oder auch in der Wirtschaft, das höre ich überall.
Man sagt, wir brauchen Willkommenskultur, und dass auch Leute in den Jobcentern und Ausländerbehörden, da gibt es "Willkommenscenter" et cetera für die Interkulturalität fit gemacht werden... - Das Problem in der Realität ist, dass parallel zu diesem politischen Willen "von oben" und von den Menschen, die bürgerschaftlich und ehrenamtlich engagiert sind und viel für das Zusammenleben tun, immer wieder Ressentiments und negative Schlagzeilen kommen, die das Zusammenleben wirklich vergiften (- wenn man hier diese ganze NSU-Geschichte und auch manche Sprüche von Politikerinnen und Politikern in Erinnerung rufen darf)(...)

 Dr. Reinhild Hugenroth : Ich glaube, Willkommenskultur fängt hier auch ganz konkret vor Ort an, das heisst, sich überhaupt darauf einzulassen, international zu denken, zuzulassen, dass es etwas anderes gibt als das was man uns selbst gelehrt hat.

(...)

 Dr. Karamba Diaby 

Also, Willkommenskultur muss nicht nur gesagt werden, sie muss getan werden, wir müssen ganz konkrete Massnahmen machen damit wir das umsetzen, und wir brauchen engagierte Leute, wie in dieser Initiative hier - die etwas dafür tun.

Wir bekommen den demographischen Wandel, der hier immer wieder angesprochen wurde, nur in den Griff wenn die Leute hier vernünftige Arbeitsbedingungen vorfinden. Die ganzen intelligenten Köpfe gehen dahin, wo es eine anständige Bezahlung gibt, und sie auch weiche Faktoren, wie eine gute Atmosphäre  und Familienbedingungen vorfinden  in der man leben kann.

Die Konkurrenz schläft nicht, und es ist keine humanitäre Botschaft, wo wir "bitte bitte bitte" sagen müssen,  es geht um knallharte Konkurrenz. (...) N»ach oben