Cranach und Luther gingen ein und aus – und Philipp Melanchthon, „Lehrer Deutschlands“, feierte hier am 26. November 1520 Hochzeit mit Katharina, Tochter des Bürgermeisters Hans Krapp.

 

Deren Bruder, Hieronymus Krapp war Gewandschneider Luthers. Mit dem Maler Hans Döring, Mitarbeiter Cranachs begegnet uns ein weiterer Zeuge der Geschichtsträchtigkeit des Ortes.

 

Röhrwasser  
Defekter Röhrwasserbrunnen und alte Eichenröhre in der Jüdenstrasse 5

Mit seinem historischen Kontext bietet das Grundstück in der Jüdenstraße 5 die Möglichkeit zur Erforschung unserer kulturellen HerkunftDas Haus fungiert als Schnittstelle zur Geschichte.

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Schlüssel zu unserer spirituellen Spurensuche ist die Bürgermeisterdynastie Krapp, welcher das Grundstück im Jüdenviertel (die Juden durften seit dem Pogrom von 1306 fast vollständig vertrieben worden sein) Anfang des 16.Jahrhunderts gehörte. Cranach und Luther gingen ein und aus – und Philipp Melanchthon, „Lehrer Deutschlands“, feierte hier am 26. November 1520 Hochzeit mit Katharina, Tochter des Bürgermeisters Hans Krapp. Ihr Bruder Hieronymus Krapp war Gewandschneider Luthers.

Mit dem Malern, Verlegern und Buchdruckern, zentralen Mitarbeitern der Reformatoren begegnen uns weitere Zeugen der Geschichtsträchtigkeit des Ortes. Wer wohnte hier und welche Ereignisse haben sich hier zugetragen (auch vor und nach dem Wirken der Reformatoren?) – Welche Geheimnisse birgt das Grundstück?

 

 "Anhaltische Aufklärungstradition":

Geschichte darf nicht konserviert werden, sondern muss immer im Kontext aktueller Entwicklungen neu betrachtet, vermittelt, diskutiert und gelebt werden.  „Reformation und Toleranz“ forderte einen christlich-islamisch-jüdisch-atheistisch-und-andersgläubigen Dialog geradezu heraus.

 Dabei reiht sich die KulturBotschaft vor Ort in eine Linie Anhaltischer Aufklärungstradition ein (s. Präambel) - vom Spannungsfeld zwischen Giordano Bruno und den verschiedenen  Weltanschauungen der Reformatoren (s. Müntzer, Karlstadt vs. Melanchthon; der historische Kontext für die Vorlage Shakespeares Hamlet-Figur). An herausragender Stelle zu nennen ist hier auch Moses Mendelssohn, der Lessing als Vorbild für die Figur "Nathan der Weise" diente, s. auch:

In der Tradition des „Grabe wo Du stehst“ soll die Geschichte der Reformation und die Geschichte der Stadt Wittenberg nicht anhand von wichtigen Texten, Gemälden und anderen Zeugnissen der klassischen Geschichtsschreibung erforscht werden, sondern eben anhand eines „gewöhnlichen“ Ortes in der Stadt.

Dieser mikrogeschichtliche Ansatz macht es besser als andere Ansätze möglich, sichtbar zu machen, wie Geschichte Einfluss auf unser Hier und Jetzt hat.

 Eine erste Vorrecherche, im Jahr 2014 gefördert durch den Landkreis Wittenberg, hat bereits erstaunliche Ergebnisse ergeben.

Die Erforschung der Geschichte der Jüdenstraße 5 soll zwar mit akademischem Interesse durchgeführt werden und belastbare Ergebnisse hervorbringen, sie soll aber nicht der professionellen Historiographie überlassen werden. Vielmehr soll den BewohnerInnen Wittenbergs selbst die Möglichkeit gegeben werden ihre eigene Geschichte zu erforschen.

Im Rahmen von „Tor zur Vergangenheit“ soll eine Geschichtswerkstatt in den Räumen der KulturBotschaft errichtet werden. Interessierte BürgerInnen und Schulklassen sollen selbstständige Geschichtsforschung betreiben.

Das Ziel ist durch die aktive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und dem selbstständigen Schreiben der eigenen Geschichte sowohl das Verständnis der Geschichte, als auch der Gegenwart zu stärken und ein historisches Bewusstsein zu entwickeln. (Die Geschichtswerkstatt soll dabei wie gesagt keineswegs auf die Jüdenstraße 5 beschränkt bleiben) Einmal organisierte und geschulte Geschichtswerkstatts-Gruppen sollen sich auch anderen Orten, Ereignissen und Fragen in der Stadt annehmen und die Idee der lokalen Amateurgeschichtsschreibung weiter tragen, nach Möglichkeit auch über den Projektzeitraum hinaus.

Obwohl der Prozess des Erforschens im Mittelpunkt des Interesses stehen soll, soll den TeilnehmerInnen natürlich die Möglichkeit geboten werde, ihre Ergebnisse der interessierten Wittenberger Öffentlichkeit zu präsentieren. Ziel ist es eine kleine, aber hochwertige Ausstellung in den Räumen der KulturBotschaft in der Jüdenstr. zu entwickeln. Inhalt der Ausstellung wird nicht nur die Geschichte des Ortes sein, sondern auch wie diese erforscht wurde. Die TeilnehmerInnen werden ihre eigenen Methoden dokumentieren, um so als Beispiel zu dienen und BesucherInnen zu eigenen Lokalforschungen anzuregen.

Um wissenschaftliche Standards zu garantieren und die TeilnehmerInnen bei Ihrer Arbeit zu unterstützen, soll für die Konzeption der Ausstellung und die Anleitung der Geschichtswerkstatt ein/e wissenschaftliche/e Mitarbeiter/in im Rahmen einer Viertelstelle gewonnen werden.

Flankiert werden soll die Ausstellung durch eine Reihe von Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen. Hierzu sollen sowohl FachhistorikerInnen, als auch andere herausragende BürgerInnen Wittenbergs, Sachsen-Anhalts und internationale Gäste eingeladen werden. Ziel der ergänzenden Veranstaltungen soll zum einen sein den TeilnehmerInnen und anderen interessierten BürgerInnen eine Möglichkeit der Weiterbildung und des Austausches zu geben, zum anderen auch die Tätigkeit und Ergebnisse der Geschichtswerkstatt in einen größeren fachlichen und gesellschaftlichen Kontext einzuordnen.

 

Das Tor zur Vergangenheit öffnet den Weg in die Geschichte und die Zukunft. Wie sah das Haus aus, das während des siebenjährigen Krieges zerstört wurde? 

 

Archivfund "Wir Bürgermeister"...Aus dem Gerichtsbuch, Dokument von 1548:

 

Beschreibung des Grundstückes und des Hauses um 1644 mit Angaben zum Schoss / Steuern:

 

PROJEKTBESCHREIBUNG

 

RÖHRWASSER:

1556 schlossen sich sieben Bürger Wittenbergs zusammen und ließen eine Quelle fassen und das Wasser durch Holzröhren zu ihren Häusern leiten.
Das „Neue Jungfernröhrwasser“, von dem eine Portion dem Grundstück zugeteilt ist, steht als Bodendenkmal unter Schutz.
Zur Verbreitung der Idee des Röhrwassers und um die Bedeutung des Denkmals mit seiner technischen Einzigartigkeit zu vermitteln, wird die Zapfstelle im Hof des Hauses einer innovativen Nutzung zugeführt und einem internationalen Publikum zugänglich gemacht. Ein Ideenwettbewerb zur Reativierung anderer „versickerten“ Quellen wird ausgerufen. Es geht um innovativen Umgang mit diesem historisch einzigartigen Wassersystem sowie eine Recherche rund um die mythische und soziale Bedeutung des Wassers an sich.

In Kooperation mit dem Röhrwasserverein, der Stiftung Denkmalschutz, der SALEG, den Röhrwasserkundigen vor Ort, dem Stadtarchiv und dem Heimatverein, soll eine Sammlung und Dokumentation von Materialien zum Röhrwasser in der Max-Senf-Plattform entstehen,

zudem: Aufbau der Website roehrwasser.de

Siehe auch Projekt: Tor zur Vergangenheit

Lokale Geschichtswerkstatt zur Erforschung der Alltagsgeschichte der Reformation in Wittenberg

 Das Grundstück der KulturBotschaft in der Jüdenstr. 5 im Zentrum Wittenbergs ist ein historischer Ort mit Bedeutung für die Stadtgeschichte Wittenbergs, als auch der Geschichte der Reformation. Im Rahmen des von der Stiftung KulturBotschaft organisierten Projekts „Tor zur Vergangenheit“ soll diese Geschichte erforscht und aufbereitet werden, so dass sie Teil des kulturellen Erbes der Stadt Wittenberg und erfahrbare Geschichte der Reformation werden kann.

Es handelt sich also um einen Schauplatz der Alltagsgeschichte der Reformation. Es liegt die Vermutung nahe, dass sich zahlreiche große und kleine Geschichten hier abgespielt haben, die noch ihrer Entdeckung harren.

Eine dieser Geschichten ist sicherlich die Röhrwasseranlage, die 1558 in der Jüdenstraße und anderen Orten in der Innenstadt von Lucas Cranach, Hieronymus Krapp und anderen wichtigen Bürgern der Stadt errichtet wurde und noch bis heute betriebsfähig ist. Die Stiftung KulturBotschaft ist im Besitz der nachgelassenen Unterlagen zum Röhrwasser von Burkhart Richter, der umfassend zu diesem historischen Phänomen geforscht hat. Die noch nicht ausgewerteten Unterlagen und Quellen sollen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt und im Rahmen der Geschichtswerkstatt in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Heimatverein, dem Röhrwasserverein "Gewerkschaft Altes und Neues Jungfernröhrwasser der Lutherstadt Wittenberg e.V." und dem Stadtarchiv bearbeitet werden.

 

Weiterführende Links /potentielle Kooperationspartner

Augsburger Reichs- und Religionsfrieden

Katharina von Bora

Melanchthon Bretten

Worms: Das Wormser Religionsgespräch von 1541 war die Fortsetzung des Hagenauer Religionsgesprächs von 1540, in dem das Verfahren für ein künftiges Religionsgespräch zwischen katholischen und evangelischen Reichsständen festgelegt werden sollte.

Das Wormser Religionsgespräch fand vom 25. November bis 17. Januar 1541 statt. Kaiser Karl V. schickte seinen Minister Nicolas de Granvelle nach Worms, der zwischen katholischen und protestantischen Theologen vermitteln sollte. Während der Konvent über Verfahrensfragen diskutierte, beauftragte Granvelle eine kleine Theologengruppe, in Geheimverhandlungen gemeinsame Lehrartikel zu verfassen, die auf dem im Juni 1541 stattfindenden Regensburger Reichstag als kaiserlicher Konsenstext vorgestellt werden sollten. Die auf einen Ausgleich zwischen Katholiken und Protestanten bedachten Theologen Martin Bucer, der als Berater Philipps von Hessen großen Einfluss hatte, sowie der von Erasmus von Rotterdam geprägte katholische Reformer Johannes Gropper erarbeiteten 27 lateinische Artikel, das so genannte Wormser Buch, in dem ein weitreichender Konsens über zentrale Lehrfragen (Sünde und Rechtfertigung, Kirche, Sakramente und Zeremonien) formuliert wurde. Das Wormser Buch stellte dann die Grundlage für das Religionsgespräch auf dem Regensburger Reichstag dar, nicht - wie von den Protestanten ursprünglich gefordert - die Confessio Augustana. (Quelle: Wikipedia)

... Projekt und Ausstellung wird ein Beitrag der KulturBotschaft zur großen Weltausstellung der Reformation 2017 sein.

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KulturBotschaft – Dialog der Weltanschauungen
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06886 Lutherstadt Wittenberg
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